Espana a pie

vom Welt Jugend Tag nach Santiago di Compostela

14Sept
2011

ein Gespräch mit einem Freund

Wir sind wieder zu Hause angekommen und so langsam hat uns der Alltag wieder.
Aber auch einige Tage nach Santiago ist man noch ganz erfüllt von den Erlebnissen der Pilgerreise. Mal berichtet man Freunden und Bekannten von den Wochen auf dem Weg oder schaut sich seine Fotos an und schmunzelt über die kleinen Anekdoten, die wir so erlebt haben.

Gleichermaßen lustig wie anstrengend war auch die Rückfahrt nach Deutschland. Witzige Mitfahrer hatten wir im Bus, über die man während der 34 stündigen Fahrt schmunzeln konnte oder seine Pilgeererlebnisse austauschte. So wurde es auch eigentlich nicht langweilig und unsere Eltern konnten und am Sonntag Abend wieder in die Arme schließen, glücklich ihre Kinder gesund wieder zu haben :)

Die letzten Tage waren dann geprägt vom Ankommen, Ausschlafen und Auspacken, neben Wäsche waschen und Erlebnisse erzählen.

Aber was bleibt eigentlich von den 5 Wochen in Spanien?
Sicherlich die Gewissheit, das Land in seinen Facetten kennen gelernt zu haben, sein es die Menschen, die Landschaft oder das Klima, wir können sicher sagen, dass wir jetzt mal in Spanien waren.
Und natürlich ein ganzes Herz voller schöner Erinnerungen, Begegnungen und neuer Erfahrungen, die uns alle in ihrer Weise weiter gebracht haben.
Und dann sind da noch die neuen Freundschaften, die man geschlossen hat, die Menschen, die man in seinem Herz mit nach Hause nimmt.

Und eine Sache habe ich auch noch fest gestellt. Oft hat unsere Mama uns von ihren Pilgererlebnissen berichtet und bevor wir auf gebrochen sind habe ich oft gedacht: werde ich auch solche Sachen erleben? Kann ich wohl auch später von lustigen und schönen Momenten am Weg berichten?
Jetzt kann ich sicher sagen: Ja, das kann ich. Und jeder der sich auf den Weg macht wird seine Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Weg machen. Das einzige, was man braucht, ist ein offenes Herz für neues.

Ich kann jeden nur ermutigen sich auch auf den Weg zu machen. Der Weg verändert einen selbst, lässt Nachdenken zu und ist trotzt der Strapazen wie eine Atempause im Alltag.

Vielleicht sieht man sich mal wieder auf dem Carmino.

Danke und Buen Carmino!

12Sept
2011

und du wirst ihn finden

Die Nacht im alten Franziskanerkloster in Ourense (das ist die Pilgerherberge) verging schnell und mal wieder recht geräuschvoll, da alles sehr offen gebaut war und so auch das recht lärmintensive Kochen der Rennpilger in der Nacht bestens im Schlafraum zu hören war.
Am nächsten Tag brachen wir sogar schon vor den Rennpilgern in Richtung Cea auf. Eine kurze Etappe von nur 22km durch eher seichtes Gelände (abgesehen von dem megasteilen Berg hinter Ourense) ließ uns schnell voran kommen. Wir trafen unterwegs das spanische Ehepaar, die zufällig ausgerechnet aus Madrid kamen und auch recht interessiert an unseren WJT Erlebnissen waren.

Nach unserer Pause in Tamallancos war es auch nicht mehr weit bis nach Cea und der Weg führte uns durch kleine Dörfer und Wälder bis uns der Waldweg am Rand von Cea ausspuckte und wir den Pfeilen bis direkt vor die Herbege, ein renoviertes Steinhaus, folgten. Eindeutiges Highlight des Tages war der Hospitalero der Herberge: ein großgewachsener, schwerhöriger Spanier mit Schnurrbart und Hut, der auf die Pilger schlafend auf einem Sofa wartet :D
Auch ich fand ihn so vor, bekam dann aber schnell Bettwäsche und Stempel, sodass ich schon mein Bett bezogen hatte, als Mirjam und Sören eintrafen.
Alle Formen der Reinigung, sei es Körper oder Wäsche, stellten sich dann als kompliziert heraus. In den Duschen musste man sich zwischen kurz und kochendheiß oder lang und eiskalt bei der Wassertemperatur entscheiden und das Waschbecken für die Kleidung machte selbige auch eher noch dreckiger als sauber, sodass wir unsere Sachen nur zum Lüften auf die großzüge Sonnenterasse direkt vor unserem Schlafraum hingen.
Lustig und ziemlich spanisch war das Einkaufen. Das meiste bekamen wir im Supermarkt im Ort, aber Brot mussten wir in einer Bäckerei kaufen, doch eine solche war nicht auf zufinden. Fast hätten wir uns sogar in einem 1000 Einwohnerdorf verlaufen!
Wieder in der Herberge fragte Sören unserern Hospitalero, ob es eine Bäckerei gebe, seine Antwort: 18!
Dann hat er sich Sören geschnappt und ist zu einer der Bäckerein gegangen, die geschlossen war, hat den Besitzer des Feinkostgeschäftes aus der Bar geholt und ihn dazu verdonnert das "Pan de Cea" für Sören zu holen, was der dann auch in der nächsten Viertelstunde machte. Die Französinnen hatten gar das Glück solange warten zu müssen, bis das Brot fertig gebacken war :)

Abends konnten sich dann die Französinnen noch darüber amüsieren, dass wir, die Deutschen, ausgerechnet Karoffeln aßen. Ja, lustig! -.-

Nach einer einigermaßen ruhigen Nacht mit wenigen Schnarchern ging es für uns am nächsten Morgen auf direktem Weg nach Laxe, nicht über das Kloster Oseira, wie die meisten anderen Pilger.
Wiedermal ging es bergauf bergab durch Dörfer und Eukalyptushaine (ja wirklich, hier wächst auch Eukalyptus!).
In dem kleinen Ort Pontenoufe traf ich auf eine sehr nette Spanierin, die mich zunächst für mein gutes Spanisch lobte (es wird von Tag zu Tag besser ;D) und dann durch das Dorf führte und mir noch einen Buen Carmino wünschte und drückte.

Während meiner Pause holten mich dann auch wieder Mirjam und Sören ein und wir machten uns wieder auf den Weg. Nach anstrengenden letzten Kilometern trafen wir am Abend in Laxe ein, wo uns eine Architekturpreis gekrönte Herberge erwartete. Sörens Kommentar dazu: ein Preis für bequeme Betten wäre mir lieber! :D
In dem 70 Seelen Dorf gab es auch keine Möglichkeit etwas einzukaufen, sodass wir am Abend in der Bar aßen.

Die Nacht war mittelmäßig erholsam und abenteuerlich wurde es am Morgen. Meine Wäsche hing noch unschuldig im Trockenraum, als ich feststellen musste dass die Tür zu diesem abgeschlossen war. Auch Fenster waren verriegelt sodass mir nichts anderes übrig blieb, als draußen über den Zaun zu klettern um meine Sachen zu retten...

Dann konnte es aber losgehen nach A Vedra, wobei für mich der Fußweg schon nach der Hälfte der Strecke vorbei war, denn Atemnot und schmerzende Sehnen ließen mich nur im Schneckentempo voran kommen, sodass ich ab Bandeira den Bus nahm und schon am Nachmittag in der Herbege war und dort auf die 4 Deutschen und den berühmten Christopher, den Mirjam in a Gudina kennen gelernt hatte, traf.
Außerdem im Quartier: die Rennpilger (zumindest die Tussi und der Langschläfer), eine Horde jugendlicher Spanierinnen mit ihren Müttern (die nach Angaben von Christopher extrem langsam unterwegs waren) und ein Radpilger.
Der Abend war sehr lustig und lang und wir alle waren froh, dass wir mal wieder ein wenig Späße auf bekannter Sprache machen konnten. Es war echt genial, wie gut wir uns auf Anhieb verstanden und so beschlossen wir auch morgen mit Christopher die letzte Etappe nach Santiago gemeinsam zu bewältigen.
Die Nacht war dann für die einen mehr für die anderen weniger ruhig...

Nur noch 33 km :) Hurra!

Der nächste Morgen war dann auch sehr vernebelt und wir brachen erst relativ spät auf nach Santiago. Die ersten Kilometer gingen noch durch Wälder und Wiesen bis wir nach einer guten Stunde ein Schild erspähten, dass eine einstellige Kilometerzahl nach Santiago angab und wir uns zu einer Pause entschlossen.
Es war wirklich erstaunlich, wir plauderten schon seit Stunden über alles mögliche, über Gott und die Welt, als würden wir uns schon ewig kennen. Alles total entspannt und locker.
Als sich auch am Mittag der Nebel noch nicht verzogen hatte und wir auf jeden Fall den im Reiseführer angepriesenen Blick auf Santiago genießen wollten, kehrten wir in eine Bar ein, um uns Totilla zu bestellen. Schon beim Betreten der Bar fiel uns die sagen wir mal schlichte Einrichtung auf. Neben der Theke gab es noch 2 Tische und einige Hocker, die allesamt an die Wand geschoben waren. Zuerst hatten wir auch etwas Probleme der schwerhörigen Wirtin klar zu machen, dass wir 4 Totillas haben wollten, dann sagte sie und, dass es einen Moment dauern würde (= eine Stunde).
Aber die anwesenden Bauern des Dorfes in schmuddeliger Kleidung boten beste Unterhaltung. Worum es dabei eigentlich ging, wurde uns zwar nicht klar, dafür war das Ganze sehr lustig mit anzusehen :)
In der Zwischenzeit hatten uns die jungen Spanierinnen auch überholt, dafür wurde uns endlich das Essen serviert. Immerhin 3 von 4 Totillas, aber eine nachzubestellen war dann doch zu umständlich. Wenigstens waren sie aus frischen Eiern von den hauseigenen Hühnern gemacht.

Zwar hat uns dieser Zwischenstopp 1,5 Stunden gekostet, dafür hatte sich der Nebel in der Zwischenzeit gelichtet, sodass wir einen ersten Blick auf die Kathedrale werfen konnten, als wir die Bar gutgelaunt und satt verließen. Kaum waren wir ein paar Meter gegangen und hatten ein wunderbares Gruppenfoto gemacht, fanden wir uns auch schon in Mitten der Großstadt wieder, erklommen den letzten Berg hoch zur Kathedrale und kamen dann am Freitag, 9.9.2011 gegen 15 Uhr endlich an. Es ist wohl der schönste Moment der ganzen Pilgerreise auf dem Praza do Obardoiro zu stehen und einen ersten langen Blick auf die Fassade der Kathedrale zu werfen. Und mit der Gewissheit endlich angekommen zu sein, sind alle Schmerzen und Plagereien des Weges vergessen und machen Platz für ein großes und lang anhaltendes Glücksgefühl. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht genossen wir diesen Moment auf dem Platz, wie soviel andere Pilger vor, mit und nach uns.

Endlich am Ziel: der erste Blick auf die Kathedrale

Nachdem wir auch einen Moment in der Kirche verweilt hatten, gingen wir zum Pilgerbüro, um uns unsere Compostela abzuholen und dann eine Unterkunft zu suchen. Zur Feier des Tages hatten wir beschlossen ein günstiges Hotelzimmer für uns 4 zu suchen, was aber gar nicht so einfach war. Als wir schon völlig fertig in die Pilgerunterkunft ausweichen wollten, kamen wir an einem kleinen Hotel vorbei, die noch ein 3 Bett Zimmer frei hatten, welches wir auch zu 4 behausen durften und nach einer Dusche und dem Einkauf von Proviant gingen wir nochmal in die Kathedrale um das Jakobusgrab zu besuchen. Jetzt zu dieser Abendstunde waren die Touristen verschwunden und es herrschte eine angenehme Ruhe in der Krypta.

In Anbetracht des nun endgültigen Endes unserer Pilgerreise kamen mir die Zeilen aus "Grosses Wasser" von Schandmaul in den Sinn:

Angekomm' am Punkt, an dem die Füße nicht mehr tragen,
angekomm' am Punkt, an dem kein Weitergehn sich lohnt,
Angekomm am Punk, an dem das was du je gesäht
angesichts der Größe in Vergessenheit gerät.

Diese Ankunft feierten wir dann auch ausgiebig zunächst mit Sekt auf dem Platz und dann bei unserem Streifzug durch die Bars Santiagos, bis wir gut gelaunt und glücklich nachts ins Hotel zurück kehrten und nach einigen Lachattacken seelig in den weichen Betten schlummerten.

05Sept
2011

Mit euren Füßen geht umher

Heute gibt es leider nur einen kurzen Eintrag, weil dieses Telecentro bald schließt...

Ab A Gudiña war unsere Pilgergruppe endlich wieder vereint und wir machten uns am Samstag auf die lange Etappe nach Laza. Quer durchs Gebirge bei wunderbarem Wanderwetter gingen die 34km schneller rum als gedacht und so kamen Mirjam und ich gegen 18 Uhr in Laza an. Früh genug, um noch den Einkauf für die nächsten 2 Tage zu machen und dann völlig kaputt in die Herberge zu wandern. Sören, der etwas Probleme mit seinen Füßen hat und vor allem bergab nur langsam gehen kann, traf etwa eine Stunde später ein, während wir schon fleißig Wäsche wuschen.

  kalt und nebelig ist es am Embalse de Portas voll super hier hab ich sogar mein eignes Dorf mit eignem Tal^^

Optimistisch hingen wir sie draußen auf, in der Hoffnung, dass sie bis zum nächsten Morgen trocknen würden.
Daraus wurde allerdings nichts, denn das Wetter beglückte uns nachts mit einem schönen Regenschauer...

Auch sonst war es hier mittlerweile ziemlich kühl geworden. Der nächste Morgen begrüßte uns mit frischen 13°C (immerhin fast 30°C weniger als noch vor 3 Wochen in Madrid!). Aber für die anstrengende und wieder sehr lange Etappe nach Xunqueira de Ambria war das gar nicht mal so schlecht, denn der Weg führte uns mal wieder durch steiles Gelände und über einen nicht zu unterschätzenden Berg.
Überhaupt war dieses Gebirge von erbarmungsloser Natur. Die Anstiege extrem steil und mental ziemlich zermürbend, denn kaum hatte man die in Sicht liegnde Kuppe erreicht folgte ein neuer steiler Anstieg zu einem neuen vermeindlichen Gipfel, hinter dem sich wieder ein neuer auftürmte und beim Abstieg das Gleiche: nach jeder steilen Kehre kamen noch weitere und nochmehr...
Das einzig beständige an jedem Gipfel waren 2 Nachrichten, eine gute und eine schlechte.
die Gute: Es kommt kein steiler Anstieg mehr! (Hurra!)
die Schlechte: Es kommt ein steiler Abstieg...
Nun ja, so haben wir uns auf müden Beinen und Füßen heute bis nach Ourense vorgearbeitet und sogar neue Wegbegleiter gefunden!

Alessandra ist bereits wieder nach Italien abgereist, aber dafür sind seit Lubián die Rennpilger, bestehend aus: der Tussi (weil sie die einzige Frau ist und immer so unfreundlich), dem Langschläfer (schläft immer am längsten von allen Pilger und bricht dann als erster auf. Gott weiß wie er das macht?!), dem Dicken (der eigentlich nur durch seine Körpergröße auffällt), dem Humpelfuß (ich glaub das erklärt sich von selbst...) und dem Wenighaar (wegen des kargen Haarwuchses auf seinem Haupt) unsere Begleiter. Rennpilger deshalb, weil sie in aller Herbergsfrühe ohne Frühstück aufbrechen, scheinbar ohne Pause durchlaufen und dann, oh Wunder, in der Herberge die besten Betten haben, ihre Wäsche schon auf der Leihne hängt und sie gut erholt auf dem Sofa liegen!
Neben den Rennpilgern begleiten uns seit gestern auch 4 französische Seniorinnen (sehr nett und sie sprechen sogar Englisch!) und ein spanisches Ehepaar, die wir schon in Puebla de Sanabria getroffen hatten (auch Englisch sprechend). So sind wir jetzt eine nette kleine Pilgerfamilie bis nach Santiago.

Ourense

Nun noch zwei kleine Geschichten vom Weg:

Als wir auf unserer Etappe nach Laza in Campobecerros in einer Bar einkehrten, durften wir neben dem spanischen Bergdorfleben auch eine Gruppe sehr netter Radpilger kennen lernen. Als die mitbekamen, das wir uns wieder "nur" Bucadillos bestellten, kam der eine auf uns zu, und sprach uns in perfektem Deutsch an, dass er bei der Wirtin für uns eine Spezialität der Gegend bestellt habe, damit wir mal was hier vom Land kennen lernten. Der gute war zwar Spanier aus Bacelona, doch hatte er lange in Deutschland studiert. Serviert bekamen wir eine leckerne Kohl- und Bohnensuppe, die die Spanier netter Weise auch gleich bezahlt hatten :)
Gut gestärkt lief es sich dann doch gleich viel besser.

Am nächsten Tag führte uns der Weg direkt nach dem Gipfel in das kleine Dorf Albergueria. Luis, der Wirt der einzigen Bar hat es sich seit 2004 zur Aufgabe gemacht, jeden Pilger in seiner Bar eine Jakobsmuschel signieren zu lassen und so wurde auch uns diese Ehre zu Teil in dieser kleinen mit Muscheln bedeckten Bar einen Pilgergruß zu hinterlassen :)

Außerdem können wir jetzt nach wochenlangen genauen Studien der Spanier in verschiedenem Regionen des Landes, mit ziemlicher Sicherheit sagen, warum es ihnen wirtschaftlich so mies geht: die Spanier arbeiten nicht (wirklich).
Ja wirklich, wenn der Tag dort um 10 Uhr beginnt hat man schon Glück, weil man dann ganze 3 Stunden Zeit hat was zu kaufen, zum Arzt zu gehen oder so, denn spätestens um 1 Uhr ist dann erstmal für 4 Studnen Siesta. Dann noch mal 2 Stunden was machen und ab in die Bar...
So kann das ja nichts werden.

Heute werden wir noch ausgiebig unsere Füße und Beine pflegen. Mittlerweile ist es fast komisch in einer so großen und lebhaften Stadt wie Ourense zu sein, nach all der Ruhe auf dem Weg. Generell ist Zeit und Strecke auf dem Camino sehr relativ und in völlig anderem Verhältnis als in unserem Alltag. Man geht los, sobald es hell ist, man macht Pause, wenn die Füße es verlangen, man isst wenn man Hunger hat und man ist unwahrscheinlich stolz, eine Strecke von 10km bewältigt zu haben (in 2 Stunden!), die man sonst in einigen Minuten mit dem Auto fährt. Und wenn man nach einer anstrengenden Etappe endlich am Ziel ist, freut man sich über ein einfaches Pilgerbett und eine warme Dusche. Dann heißt es noch einkaufen und Wäsche waschen, diese aufhängen solange es noch ein wenig Sonne gibt und ins Bett gehen wenn es dunkel ist. Wie einfach ist doch das Pilgerleben!

Jetzt freu ich mich schon auf eine leckere Pasta und hoffe, dass unsere Wäsche sauber gewaschen ist (ja heute gibts ne Waschmaschine in der Herberge, hurra!) und werde dann seelig ins Bettchen gehen in der Hoffnung, dass die Männer sich mit dem Schnarchen zurück halten ;)

02Sept
2011

Ich wünschte, ich stünde auf einem hohen Berge...

...oder sollte ich lieber sagen: auf DIESEM hohen Berge? Für die letzten 2 Tage ist das auf jeden Fall zutreffend, aber jetzt der Reihe nach.

Sören traf am Nachmittag in Requejo ein und wir zogen los um das tägliche Einkaufsritual zu vollziehen (gezwungener Maßen, wenn man als Pilger nicht verhungern will...) Zu unserer Freude gab es in dem kleinen Tienda des Ortes auch kleine Portionen Mamelade und "Honig", der sich am nächsten Morgen als ödes Olivenöl entpuppte. Während wir noch unsere Pasta genossen trafen drei Radpilger in der Herberge ein. Ja so waren die Radpilger, standen morgens als letzte auf und kamen dann Abends als letzte in die Herberge, machten bis in die Nacht Party und dann alles von vorne...
Mit den dreien kamen wir aber gut aus, zumal uns die herrlichen Betten einen seeligen Schlaf verliehen.

Am nächsten Morgen zögerten wir unseren Aufbruch bis 9 Uhr hinaus, da es in Strömen regnete. Da es nicht besser wurde blieb uns nichts anderes übrig als die Regencapes auszupacken und los zu gehen. Der Weg führte uns einige Zeit an der Nationalstraße entlang, bis von dieser die alte Passstraße zum Puerto de Padornelo (immerhin 1355m hoch) abzweigte. Nach einer kurzen Pause in einem der alten Lagerhäuser führte uns der Weg in mäßiger Steigung hinauf auf den Gipfel. Bis dahin wurde aber selbst die Passstrasse zu einer Stein- und Schotterpiste, denn nach den Lagerhäusern war diese ihrem Zerfall überlassen, was uns den Aufstieg zwar leichter machte als auf dem Trampelpfad, jedoch nicht gerade zum Sonntagsspaziergang. Hinzu kam ja noch der anhaltende Regen, der langsam das Cape, die Kleidung, die Socken und Schuhe durchweichte, bis sich nach und nach ein leichtes Fussbad im Schuh gebildet hatte.

Es war erstaunlich, mit den Kilometern bergauf über Stock und Stein, wurden die Unannehmlichkeiten auf Grund des Wetters immer erträglicher. Zuerst merkt man die Kälte nicht mehr, denn der Weg ist anstrengend genug, irgendwann merkt man den Regen nicht mehr auf der Haut, dann hört man ihn nicht mehr auf der Hutkrempe trommeln und irgendwann merkt man sogar die nassen, quitschenden Füsse nicht mehr. Ab dann gibt es nur noch deine Schritte auf dem Weg; Meter um Meter, bis dich eine schöne Aussicht (was bei dem Wetter eher relativ häufig war), eine grosse Pfütze, die den Weg versperrt oder sonst etwas aus deiner Laufmeditation reisst und das ganze von vorne beginnt.

Einige Kilometer nachdem wir den Gipfel passiert hatten kamen wir durchgefrohren, aufgeweicht und hungrig in das kleine Dorf Padornelo, wo wir erwartungsvoll die Bar suchten. Doch nach einem Irrlauf durch das kleine Dorf mussten wir feststellen, dass selbige geschlossen hatte, genau wie der Tabaccoladen und die Kirche, wo man sich sonst noch hätte aufwärmen können. Frustriert machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Lubián und kaum waren wir aus dem Ort raus, erspähten wir ein Hotel mit Restaurant und Bar, wo wir uns erstmal Tapas und eine heisse Schokolade gönnten bevor wir wieder los zogen. Einige Kilometer ging es entlang der Nationalstraße, wo uns unsere Radpilger überholten, bis wir in einen kleinen, steinigen und steilen Pfad abbiegen mussten. Der Rest des Weges bis Lubián wurde dann zum Abenteuer: die Wege ohnehin rutschig, uneben und steinig verwandelten sich im Nuh in Bäche, sodass wir uns am Rand entlang hangelten und Umwege in Kauf nehmen mussten bis kurz vor Lubián wurde es auch nicht besser, der Pfad schlängelte sich in Serpentinen den Berg hinunter, doch am Nachmittag hörte es endlich auf zu regnen und ab und zu sendete sogar die Sonne einige wenige Strahlen durch die dicken Wolken.

Völlig durchnässt, durchgefrohren und müde kamen wir in Lubián an, wo die Herberge praktischer Weise direkt das erste Haus im Dorf war. Diese war jedoch schon ziemlich voll mit Pilgern. Offensichtlich hatten einge heute hier einen Tag ausgeharrt, in der Hoffnung auf besseres Wetter.

Nach einer heissen Dusche versuchten wir unsere Sachen zu trocknen, was sich als schwierig heraus stellte, denn die einzige Wäscheleine befand sich draussen im Regen. Die 2 Heizkörper waren schon mit Sachen belegt und so behingen wir unser Bett mit unseren Sachen in der Hoffnung, dass sie bis morgen trocken sein würden.

Nach dem Einkauf, wollten wir gleich in der Küche zur Tat schreiten, doch diese war schon um 6 Uhr von SPANIERN! besetzt.

Erschöpft von diesem Tag legten wir uns früh in die "Betten" (bequem und sauber ist auch was anderes...) und schlummerten am nächsten Morgen so lange, bis der Rest der Pilger schon aufgebrochen war.

Unsere Sachen waren eingermaßen trocken, nur unsere Schuhe hatten die Wassermassen noch nicht abgeben wollen, was, und wer hätte das gedacht, den Tütensocken (allen, die 2007 in Schweden mit dabei waren, wird dies ein Begriff sein) eine ungeahnte Renaissance beschehrte und das ausgerechnet in Spanien!

Das kommt mir schwedisch vor: Tütensocken!
Trocknen Fußes machten wir uns also auf, den nächsten Berg zu erklimmen. Immerhin nieselte es nur und auf den ersten Kilometern bis zum Anstieg zum A Canda Pass kamen wir prima voran. Doch dann mussten wir einen kleinen Pfad nehmen, der von den Wassermassen gestern ziemlich schwer zu passieren war. neben glitschigen Steinen, aufgeweichtem Waldboden und herumliegen Ästen war auch einiges Erdreich abgetragen worden, sodass wir immer wieder kleine Klippen hinauf mussten, was bei dem eh schon steilen Ansteig und dem Gepäck verdammt anstrengend war. Da waren wir heilfroh, als wir nach 2 Stunden endlich den Pass erreicht hatten, die Sonne schien und wir im leichten Abstieg nach Gallizien einwanderten. Die Wege hier waren etwas besser und vom guten Wetter angespornt kamen wir sehr zügig voran. Ab und an bot sich ein herrlicher Ausblick über die Berg- und Tallandschaft und es ging sich wirklich schön, obwohl es immernoch sehr hügelig war und der ein oder andere steile Anstieg zu bewältigen war.

Auf dem A Canda Pass Von Flechten überwucherte Eichenäste sind keine Seltenheit

Trotz dieser herrlichen Landschaft und abwechslungsreichen Natur viel mir auch heute wie schon auf den vergangenen Etappen auf, wie sorglos die Spanier mit ihrer Umwelt umgehen. Immer wieder ist der Weg von alten Bekannten aus dem Haushalt gesäumt: Bettgestelle, Autositze oder der gute alte Kühlschrank, kreativ dekoriert von Plastikfalschen und Tüten. Ein trauriges Bild, ist diese Region doch eigentlich mit so wunderbarer Natur gesegnet, die Spanier schienen ein Volk von wenig Feingespühr für dieses Geschenk zu sein. 2 Beispiele sein noch angebracht:

1. Keine Frage, diese Region ist strukturarm und lebt von Landwirtschaft, aber muss man seine Nutztiere deshalb in aus Müll gebauten Käfigen halten, in denen sie in ihrem eigenen Dreck leben? Nutztier hin oder her, aber artgerecht kann man es dann doch halten.
2. Gut, die Südländer legen nicht viel Wert auf Ästetik, doch wenn man durch eine Dorf kommt, wo man zu Beginn von einer handvoll Wohnhäusern begrüsst wird, dann durch eine Ruinenlandschaft von zerfallenen Häusern geht, in dessen Mitte die Kirche steht und am Ortsausgang noch einmal ein paar bewohnte Häuser stehen, dann fragt man sich schon, wie man so wenig Bezug zu Dingen haben kann, die die Menschen ein paar Generationen vor einem selbst geschaffen haben. Von der Lebensgefahr, beim Passieren der Strassen mal abgesehn, denn diese "Häuser" können wirklich jeden Augenblick einstürzen. Wirklich unglaublich und mit einer andern "Mentalität" ist soviel fahrlässiges Verhalten gegenüber seiner Umwelt auch nicht zu erklären!

Nun ja, nach einer wieder anstrengenden Etappe kam ich in a Gudiña an, wo ich von Mirjam in der Herberge begrüsst wurde und wir die 2 einzigen Sachen, die man hier machen kann taten: einkaufen und in die Bibliothek ^^

Jetzt wird gekocht, in der Hoffnung, dass auch Sören jetzt eingetroffen ist (den hab ich auf der letzten Etappe galtt über ne halbe Stunde abgehängt, keine Ahnung wie...) Mirjam ist froh nicht mehr allein zu sein in dieser Einöde und wir freuen uns auf unser Bett. Echt anstrengende Etappen durch die Berge liegen hinter uns und haben viel Kraft und Aufmerksamkeit gekostet.

31August
2011

Gott und ich, wir zusammen sind immer die Mehrheit!

Ja und das war heute auch gut zu wissen, dass man doch nicht ganz allein auf weiter Flur ist. Aber jetzt die Geschichte, wie es dazu kam, dass 3 Pilger auf 3 verschiedenen Wegen unterwegs waren:

Wie gestern schon berichtet, mussten Mirjam und ich gezwungener Maßen eine Etappe mit dem Bus zurück legen und Sören die Strecke nach Palacios de Sanabria alleine bewältigen. Nach genauern Studien der Unterkünfte, beschlossen wir dann aber lieber nach Puebla de Sanabria zu fahren, da es dort zum einen eine günstigere Herberge gab und zum anderen das kulturelle Angebot der kleinen Stadt wesentlich atraktiver für fußkranke Pilger war. Also schnell Sören informieren, dass wir die Nacht getrennt verbringen würden und los gings.

Das wunderschöne Städtchen entschädigte uns für die verpasste Etappe voll und ganz. Am Zusammenfluss von Rio Tera und Rio Castro am Berg gebaute Dorf hat einen sehr idyllischen kleinen Stadtkern mit kleinen aus Naturstein gebauten Häuschen mit kleinen Holzbalkonen, einigen kleinen Kirchen und einer mittelalterlichen Burg, von der aus man das hügelige Umland überblicken kann. Nach unserem kleinen Erkundungstrip versorgten wir uns mit Essen und allem Hilfreichen für unsere Füße und machten uns einen entspannten Abend in der Herberge. Das malerische Puebla de Sanabria

Beim Planen Mirjams Weiterreise kamen allerdings schon die nächsten Probleme auf, denn es fahren leider keine Busse in die kleinen Orte, die die nächsten zwei Tage auf unserem Weg liegen, sodass wir Mirjam erst am Freitag wieder sehen werden, wenn wir die beiden "Bergetappen" über das immerhin 1600m hohe Mittelgbierge hinter uns haben.

Heute Morgen habe ich mich nach einem ausgiebigen Frühstück und letzten Absprachen gut bandagiert auf die 12km nach Requejo gemacht, schließlich soll ich es langsam angehen lassen mit dem Wandern. Bereits in Puebla de Sanabria zeichnete sich ab, dass es heute schwierig sein würde den Weg zu finden, denn Wegweiser sollten ein Luxusgut bleiben. Nach einer kurzen Strecke entlang der Landstraße, folgte der Weg dem Rio Castro durch flaches Gelände, welches von Feuchtwiesen (die jetzt ein Glück ziemlich trocken sind) und kleinen Eichenwäldern geprägt war. Das einzige Problem waren die Wegweiser, die nicht vorhanden waren. Zum Glück konnte ich mich ein wenig an der Landstraße orientieren, doch als ich diese überqueren musste, wurde das Wandern ein lustiges Wegeraten. Eigentlich sollte es einen Waldweg geben, den ich aber nicht fand und so zog ich plan- und orientierungslos durchs Gelände, bis mich ein kleiner Feldweg auf wundersame Weise wieder zurück auf den Pilgerweg führte und mich genau an der kleinen Kirche Iglesia de Santiago de Terroso ausspuckte. Von da an war der Weg wieder markiert und schlängelte sich durch eine äußerst interessante Landschaft. Irgendetwas zwischen Alpenvorland und Regenwald, denn der Trampelpfad führte durch dichte Wälder, die von Moos und Flechten überwuchert waren und eine enorme Farnpopulation vorzuweisen hatten und steinige Pässe hinauf und immer wieder die kleinen Steinhäuschen. Bei dieser abwechslungreichen Landschaft war ich im Nuh in Requejo angekommen und warte nun in der noch menschnleeren Herberge auf Sörens Ankunft.

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte, die sich gestern doch noch zum Guten gewandt hat:
Alles began mit Mirjams Busfahrt von Santa Marta de Tera nach Rionegro del Puente, denn nach einem Sprint von der Herberge ins Nachbardorf (das waren nur ca. 500m) war der Schlafsack verschwunden. Allerdings war der Bus gerade angekommen und Mirjam handelte noch 2 Warteminuten aus, um den Weg nochmals abzurennen, doch der Schlafsack blieb auch bis zur Herberge verschwunden, wo sich allerdings die Herbergseltern und eine 4 köpfige deutsche Pilgergruppe der Sache annahmen. Unterdessen war der Bürgermeister von Santa Marta mit dem Auto angekommen um Mirjam einzusammeln, denn auch er konnte den Bus nicht weiter aufhalten. Ohne Schlafsack musste sie dann also nach Rionegro aufbrechen.
Am Abend überbrachte dann der Betreuer der Herberge in Rionegro die schlechte Nachricht, dass der Schlafsack nicht mehr in Santa Croya noch in Santa Marta gesehen wurde.
Am nächsten Morgen, als wir auf unseren Bus nach Puebla de Sanabria warteten passierten einige Pilger das Dorf und erkundigten sich nach dem vermissten Objekt und mit dem Bus traf auch die deutsche Pilgergruppe ein, laut deren Angaben die ganze Pilgerschaft den Schlafsack suche, doch dieser blieb weiter verschwunden.
In Puebla jedoch kamen wir auf unserem Stadtbummel an einem Laden vorbei, der (welch glückliche Fühgung!) Schlafsäcke verkaufte und Mirjam sich heute noch einen passenden augesucht hat.

Ende gut alles gut :)

30August
2011

Alles geht vorrüber

Nach der optimistischen Stimmung am Abend in Santa Croya, holte uns die Fußrealität am nächten Morgen schnell wieder ein. Mirjam versuchte auf Anraten unseres Herbergsvaters ihre angeschwollenen Fersen im Fluss zu kühlen und dann am Mittag den Bus nach Rionegro del Puente zu nehmen während Sören und ich uns auf die knapp 30 km lange Etappe machten. Diese war landschftlich wunderschön und wir wurden mit recht unterschiedlichem Gelände überrascht. Von Waldwegen durch Pappelhaine über Sumpfwiesen bis hin zu schmalen Trampelpfaden über kleine Pässe war alles dabei. Bis zum Mittag kamen wir wunderbar voran und hatten bei unserer ausgiebigen Pause am Stausee Nuestra Señora de Agavanzal schon ca 20 km ablsolviert. Sören gönnte sich ein kurzes Bad im kühlen Nass und ich entspannte im spährlichen Schatten eines Busches. Nach unserem Aufbruch wurde ich zunächst von Mücken zerstochen und dann tat auch noch mein kleiner Zeh wieder weh, da die wunderbare Blase der letzten 2 Tage gestern leider wieder aufgegangen war :(

Am Embalse de Nuestra Senora de Agavanzal

So wanderten wir eine Stunde lang bis wir auf der kleinen Passhöhe waren, von wo aus man Rionegro del Puente bereits sehen konnte. Für mich waren die letzten 3 km allerdings eine Qual, denn neben dem kleinen Zeh hatten sich nun noch Scheuerstellen zwischen den anderen Zehen hinzu gesellt, was mich die letzte Stunde ins Dorf humpeln lies.

Dafür wurden wir mit einer wunderbaren Herberge belohnt, wo wir unsere Füße ausgiebig pfelgen konnten.

Da der Supermarkt im Dorf geschlossen war, gingen wir fürs Abendessen in die Bar, wo wir uns für 10 Euro an unserem Menü satt essen konnten.

Sören ist heute Morgen zu Fuß weiter nach Palacios de Sanabria aufgebrochen während Mirjam und ich den Arzt aufgesucht haben, der unseren Füßen ein paar Tage Ruhe verordnet hat. Also werden wir jetzt mit dem Bus weiter fahren und darauf hoffen, dass es unseren Füßen recht bald wieder besser geht.

Zum Glück sind die Einwohner in den kleinen Dörfern sehr hilfsbereit, stehen einem mit Rat und Tat zur Seite, auch wenn es manchmal ein wenig schwierig mit der Verständigung ist. Vor allem die Herbergsbetreuer sind immer äußerst hilfsbereit, versorgen einen mit Busfahrzeiten und anderen wichtigen Pilgerinfos, was das ganze erheblich einfacher macht, wenn schon die Füße versagen ;)

Jetzt werden wir auf dem Dorfplatz auf den Bus warten und uns noch ein Eis in der Bar kaufen.

Wir freuen uns auch über ein paar Stimmen aus der Heimat (der Blog hat ja so eine praktische Kommentarfunktion...)

28August
2011

Gott führt nicht alle den selben Weg

Nach ganzen 4 Tagen melden wir uns endlich mal wieder. Seit Zamora ist ein Menge passiert, wir haben viel erlebt und gesehen.

Von Zamora an haben wir nun schon die letzten Tage eine neue Weggefährtin gefunden. Alessandra aus Italien hatte schon in unserer ersten Unterkunft das Zimmer mit uns geteilt und begleitet uns seither auf unserem Weg. Trotz kleiner Verständigungsprobleme (Alessandra spricht nur Spanisch und Italienisch) verstehen wir uns jeden Tag besser.

Den Tag in Zamora haben nicht nur meine Füsse für ihre Erholung genutzt, wir haben uns auch einiges in dem wunderschönen Stadtzentrum angesehen und uns in der sehr neuen und modernen Pilgerherberge erholt, sodass wir gestärkt in die 4. Etappe starten konnten.

Die Altstadt von Zamora, eine Reise in die Geschichte
Die ging erstaunlich gut und schmerzfrei durch die monotonen Felder der Meseta nach Montemarta, wo wir in einer etwas einfacheren Unterkunft hausten. Neben Alessandra bekamen wir hier auch noch spät am Abend Besuch von einigen Backpackern, die lautstark in die Unterkunft einzogen und uns schlaflose Nachtstunden bescherten...

Eintönig ist noch nett gesagt: die Meseta

Trotz der Wiedrigkeiten ging auch die Etappe nach Granja de Moreruela schnell vorüber, wo wir uns wieder mit Alessandra eine sehr einfache Unterkunft neben einer Bar teilten. Zwar war die Unterkunft denkbar schlicht (staubige Betten und ein Waschraum), dafür war das spanische Dorfttreiben umso sehenswerter.
Da wir heute nicht selber kochen konnten, waren wir auf das Tagesmenü in der Bar angewiesen. Sören hatte bereits nach unserer Ankunft ausgekundschaftet, dass es das Abendessen ab 8 Uhr geben sollte. Im guten Glauben an die spanische Gastronomie wanderten wir also mit deutscher Pünklichkeit in die Bar, wo sich die Herren des Dorfes zum Rudelgucken des Stierkampfes versammlet hatten. Etwas ungläubig schauten wir drein, als uns der Barbesitzer mitteilte, dass unser Essen (was laut Mirjams Angaben vermutlich aus ihrem Spanischbuch kopiert worden war, so typisch spanisch war es) erst um 9 Uhr aufgetischt werden sollte. So hatten wir jetzt eine Stunde Zeit Stierkampf bei kühler Limo zu studieren, währendessen die Töpfe in die Küche transferiert und in aller spanischer Gelassenheit die Kartoffeln geschält wurden.
Später am Abend wurde dann der Super Cup zwischen Porto und Barcelona der Dorfjugend auf der Leinwand gezeigt und wir aßen uns an unserem Menü satt.

Der nächste Morgen war kühl und Sören (a.k.a. Chico, weil Sören für Alessandra nicht auszusprechen ist) hatte sich heute eine Etappe von 50 km vorgenommen und war schon um 6 Uhr aufgebrochen. So frohren Mirjam und ich heute allein auf unserem Weg, trafen ab und an auf Alessandra und legten eine landschaftlich wunderschöne aber sehr anspruchsvolle Etappe nach Tábara zurück. Was dabei als Weg bezeichnet wurde war auch eher relativ: mal ein Schotterweg, mal ein trampelpfad durch dichtes Gebüsch oder ein paar gelbe Pfeile auf den Felsen (s. Bild).
Leider war unterwgs meine Blase auf dem kleinem  Zeh wieder aufgegangen, sodass die letzten Kilometer zu einem schmerzhaften Humpellauf wurden und zu allem Überfluss mussten wir in Tábara noch von Bar zu Bar gehen, um den Schlüssel für die Herberge zu Bekommen. Dafür wurden wir von Alessandras italienischer Pasta beglückt und schliefen dann in unserer zugegebener Maßen etwas dreckigen Albergue.
Hiobsbotschaft des Tages war allerdings, dass Sören heute den falschen Weg in Granja de Moreruela genommen hatte und nun in Benavente saß.

Am Stausee Embalse de Ricobayo erwartete uns eine Kletterpartie über Stock und Stein hinauf zum Gipfel mit herrlicher Aussicht :)

Etwas verspätet machten wir uns heute auf den Weg nach Santa Coya de Tera, tarfen bald wieder auf Alessandra und bahnten uns unseren Weg durch erstaunlich grünes Gelände. Nach unserer Mittagspause in Villanueva de los Peras wurde uns schnell klar, dass wir Opfer eines listigen spanischen Wirts geworden waren, der die gelben Pfeile direkt zu seiner Bar führen ließ, von da an aber nicht weiter, sodass wir die letzten 7km über die weniger schöne Landstrasse gehen mussten.
Immerhin haben wir im kochendheißen Asphalt unsere Spuren hinterlassen ;)
In unserer gemütlichen und sauberen Herberge wurden wir nicht nur von warmen Duschen und bequemen Betten überrascht, sondern auch von einem bereits verloren gegangen geglaubten Mitpilger, denn dieser hatte heute schon wieder einen falschen Weg genommen und fand sich nun im Kreise bekannter Gesichter wieder: Sören!
Merke: Wer sich zwei Mal verläuft ist wieder richtig!

Am Abend haben wir uns noch im Nachbarort die Kirche mit der ältesten Jakobusdarstellung am Weg angesehen. Man muss ja auch mal was kulturelles machen ;)

Der Jakobus in Santa Marta

Mit kleinen Fußwehwehchen machen wir uns morgen auf den Weg nach Rionegro del Puente. 28 km aber dafür wieder zu dritt :)

24August
2011

So werden wir nie etwas erreichen...

Mittlerweile ist es schon der 3. Tag unserer Pilgerreise auf der Via de la Plata und es kommen täglich neue Probleme hinzu. Aber nun der Reihe nach, schliesslich möchte ich euch weder das Ende des WJT noch unsere ersten Pilgererfahrungen vorenthalten.

Nach meinem letzten Blogeintrag am Freitag, stand der Kreuzweg in Madird an. Wieder rund um den Cibeles Platz versammelten sich die tausenden Pilger, um mit dem Papst diesen Höhepunkt des WJT mit zuerleben. Der Kreuzweg war auch hier traditionell spanisch gehalten; die Stationen waren spanische Darstellung mit lebensgrossen Figuren. Vor allem hat mir die Auswahl der Jugendlichen, die das WJT Kreuz trugen, gefallen. Das waren jeweils Jugendliche aus verschiedenen (Rand-)Gruppen passend zu jeder Station.
Nach dem Kreuzweg brach wie gewohnt das Verkehrschaos in Madrid aus...

Der Kreuzweg in Madird

Der Samstag began früh mit dem Packen unserer Sachen, aufräuemen und so. Irgendwann stand dann ein Treffen unserer Gruppe an, um die nächsten 2 Tage zu besprechen. Nachdem alles halbwegs geklärt war, brachen wir auf, um halbwegs früh auf dem Flughafengelände Cuatro Viento zu sein. Der Weg war mal wieder fei nach dem Motto suchen und finden gestaltet, denn Wegweiser oder Ähnliches scheinen die Spanier nicht zu kennen. Aber trotz allem gelangten wir am Nachmittag auf das viel zu heisse und volle Gelände. Für Abkühlung sorgte die Feuerwehr, die mit ihren Löschwagen die Menge besprengte, zur großen Freude der Pilger.
Auf unserem zugewiesenen Feld E1 war leider nur noch wenig Platz, sodass wir uns aufteilen mussten, um überhaupt noch einen Platz zu finden. Ich und Mirjam fanden ein Stück des staubigen Untergrudes zwischen einigen Weissrussen.
Für unsere Essen mussten wir dann allerdings zurück zum Eingang, was ein ziemlich langer Weg war (immerhin waren über 1 Mio Menschen auf dem Feld).
Gerade noch rechtzeitig bevor der Papst zur Vigilfeier kam, erreichten wir wieder unseren Platz und konnten noch unsere Sachen einpacken, denn es kündigte sich ein Regenschauer an. Dank Norberts Regenplane (ja das ist mal wieder typisch deutsch, denn wer außer uns nimmt schon ins heisse Spanien eine Regenplane mit?) konnten wir nicht nur unsere Sachen sondern auch noch weitere Matten und Schlafsäcke UND 6 Weissrussen beherbergen :)
Das Unwetter brach pünktlich zur Vigil mit Sturm und Regen über uns herrein, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Im Gegenteil, das ganze war eine nette Abwechslung zur sonst eher schlicht, wenn nicht gar langweilig gestaltetn Vigilfeier. Das brachte die Pilger zusammen!
Als wir nach der Feier zur Anbetung in eine der (Zelt-)Kapellen aufbrachen wurde uns das ganze Ausmaß des kurzen Unwetters bewusst, denn 2 der Kapellen waren völlig zerstört. Bis zum nächsten Morgen gesellten sich noch 3 andere hinzu, sodass in einigen Teilen des Feldes die Kommunion nicht ausgeteilt werden konnte.
Die Nacht war kurz, aber trocken, sodass wir um 7 Uhr mit der Info geweckt wurden, dass 46 Kinder im Zelt 3 auf ihre Eltern warteten...
Nach Katzenwäsche und Frühstück begann die Messe um 10 Uhr mit dem Papst. Endlich funktionierte auch mal die deutsche Übersetzung und passend nach der Verkündigung des nächsten WJTs in Rio de Janeiro 2013 brachen wir auf.
Trotz des stimmungsvollen Abschlussgottesdienstes bleibt das Gefühl, dass wir bzw. der WJT in Madrid nie wirklich willkommen waren.

gute Stimmung bei der Abschlussmesse

An der Metrostation trennten sich dann die Wege der Gütersloher und unserer. Wir machten uns auf den Weg ins Zentrum, um den Bus nach Avila zu nehmen. Das klappte einigermaßen problemlos und so kamen wir am Abend dort an. Leider war es schon zu spät um sich noch die Kathedrale oder das Konvent von innen an zu sehen, aber dafür hatten wir eine wunderbare Unterkunft im Hotel mit Sicht über die ganze Altstadt.

Besuch in Avila

Früh morgens brachen wir auf nach Salamanca, welches wir uns bis zum Mittag ansahen und dann die erste Etappe unseres Pilgerweges bewältigten. Das jedoch hatte so seine Tücken: Zu erst haben wir den Weg nicht gefunden, da der in dem Startdorf, das wir gewählt hatten nicht ausgeschildert war. Folglich sind wir in den spanischen Feldern einmal im Kreis gelaufen. Beim zweiten Versuch haben wir zwar die richtige Richtung  gewählt, allerdings eine Abzweigung verpasst. Glücklicherweise wies uns ein netter Spanier den richtigen Weg. Unser dritter Fehler war dann, den Wanderführer zu glauben, was uns zum dritten Mal ins Niemandsland führte.
Völlig feritg kamen wir aber trotzdem am Abend in Castellos de Villiquera an. Unsere Anstrengungen wurden mit einer märchenhaften Pilgerherberge belohnt, die wir uns mit einem Spanier und deiner Italienerin teilten.
Merke: Wo kein Pfeil ist, ist auch kein Weg!

Plaza Mayor in Salamanca

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf um die 2. Etappe in Angriff zu nehmen. 20 km bis El Cubo de la Tierra del Vino standen suf dem Programm. Leider zeichneten sich bei mir schon nach der Hälfte der Strecke Blasen an meinen kleinen Zehen ab, die mich nur langsam voran kommen ließen. Sören war uns in der Zwischenzeit längst enteilt und wir krochen durch die spanische Sonne immer weiter entlang der Nationalstraße durch ödes Gelände. Die Schritte wurden immer mühseliger, denn jeder fühlte sich an, als würde man in einen rostigen Nagel treten.
Einzige Weggefährten auf diesen Kilometern waren die zahlreichen Ameisen. Die fanden immer den richtigen Weg, wenn sie sich nur an ihren Vordermann hielten, konnten ohne Mühe das Vielfache ihres Gewichtes tragen und bekamen keine Blasen an ihren Füßen. Ameise müsste man als Pilger sein...
In unserem Zielort trafen wir an unserer Unterkunft, einer umgestalteten alten Schule, auf Sören, der schon seit einer Stunde dort wartete. Wir riefen Filippe an, der uns die Unterkunft zeigte und kümmerten uns dann um unser leibliches Wohl. Meine Blasen waren schlimmer geworden, und ich beschloss die 3. Etappe nach Zamora mit dem Bus zu fahren, damit nicht schon jetzt am Anfang meine Füße hinüber waren.
Die Nacht teilten wir uns die äußerst gemütliche Unterkunft mit einem französischen Paar, die eine ganze Palette an Fremdsprachen berherrschte, sodass wir uns gut unterhalten konnten. 

Endlich den richtigen Weg gefunden ^^

Wie geplant fuhr ich heute Morgen mit dem Bus nach Zamora, wo eine Odyssee durch die Stadt begann, auf der Suche nach einer Unterkunft. Sören ging mit Mirjam zu Fuss. Mirjam allerdings auch nur die halbe Strecke und den Rest mit dem Bus.
Jetzt werde ich noch ein wenig die Stadt besichtigen und morgen hoffentlich wieder fit sein für die 4. Etappe.

19August
2011

der Mensch soll seinen Spaß haben

Nach einem wunbderbaren Abschied aus Lodosa sind wir nun schon seit Montag in Madrid.
Unsere Gastgeber haben einen Abschiedsgottesdienst vorbereitet und uns ein Tuch und einen Pin mit auf den Weg gegeben. Nachmittags gab es für uns verschiedene Sportangebote und wir haben uns im Rudern auf dem Fluss versucht.
Um 20 Uhr gab es dann ein großes Fest auf dem Dorfplatz mit viel Musik und Tanz unter freiem Himmel. Bis tief in die Nacht wurde dort gesungen und getanzt.

Ruderversuche in Lodosa und dann Fiesta am Abend...

Am Montag sind wir dann nach Madrid aufgebrochen. Einen Zwischenstop legten wir in Pamplona ein, wo ein zentraler Aussendungsgottesdienst statt fand. Leider kamen wir mal wieder ein wenig zu spät, aber der Gottesdienst entschädigte uns dafür mit guter Stimmung und internationalem Flair. Anschließend machten sich alle voller Vorfreude auf den Weg nach Madrid.

die Ausendungsmesse in Pamplona

Nach 6 Stunden Reise kamen wir endlich im heißen Madrid an und bezogen unsere Unterkunft: eine Turnhalle mit 1000 Pilgern. Es war heiß, es war eng und wir waren müde, aber wir ließen trotz dieser Umstände den Abend in gemütlicher Runde bei Kerzenschein und Gesang draußen ausklingen und bekamen unsere Pilgerrucksäcke ausgehändigt.
Während einige noch durch Madrid irrten auf der Suche nach etwas zu Essen, probierten andere schon die besten Positionen für einen angenehmen Schlaf aus.

gemütlich ist auch was anderes: unsere Turnhalle

Dienstags erkundeten alle die spanische Hauptstadt, da kein Programm angesetzt war. Die Stimmung in den Straßen war großartig, man traf Leute aus vielen verschiedenen Ländern und genoss die schöne Stadt bei heißen Temperaturen über 40ºC.
Das Essen jedoch brachte so seine Tücken mit sich. 3000 Restaurants in Madrid bieten Pilgermenüs an, die man mit den Marken bezahlen kann, doch bis man erstmal eines dieser Restaurants gefunden hat, läuft und fährt man einige Strecken quer durch die Stadt und wenn man Pech hat haben die dann keine Menüs mehr für hungrige Pilger. Das ist nicht nur anstrengend, sondern auch ziemlich nervig, da man den halben Tag damit verbringt, nach Essen zu suchen.

Sol am ersten Tag: die Stimmung ist bestens
Abends gab es dann den Eröffnungsgottesdienst, der auch eher ernüchternd war. Die Straßen boten nicht genug Platz für alle Pilger und so war es voll, der Asphalt heiß und wir konnrten nichts verstehen. Das lag einerseits daran, dass die Lautsprecher zu wenig hergaben und zum anderen, dass die ganze Messe auf Spanisch gehalten wurde, keine Begrüssung oder nette Worte auf anderen Sprachen. So gingen wir etwas enttäuscht und müde nach Hause. sieht beeindruchend aus, war aber die Hölle: der Eröffnungsgottesdienst am Cibelesplatz
Unsere schon entnevte Suche nach etwas Essbaren wurde dann doch noch mit dem Highlight des Tages belohnt. Als wir schon fast aufgeben wollten akmen wir an dem 5 Sterne Hotel Westin Palce vorbei, das nicht nur leckere Pilgermenüs anbot, sondern auch einigen Pilgern als Herberge diente. Mit diesem versöhnlichen Abschluss des Tages mit leckerem Essen und einer wunderbaren Begegnung mit einigen amerikanischen Jugendlichen im Hotel fuhren wir dann doch einigermaßen zufrieden in unsere Turnhalle.

5 Sterne Pilgermenü :)

Mittwoch begann der Tag mit den Kathechesen. Unsere Gastgemeinde ist leider sehr weit weg von unserer Unterkunft und so müssen wir ca. 2 Stunden durch Madrid fahren. Bischof Staza aus Augsburg war heute unser Gast und sprach über das Tagesthema "Überzeugt".
Nach der Messe machten wir uns auf die Suche nach Essen und gingen zur Siesta in den Park de Retiro, wo auch Anbetung, Beichgelegenheit und viele Konzerte sind, die wir am Abend besuchten.
Dort bot sich die Gelegenheit zur Begegnung mit vielen Jugendlichen und einem ruhigen Moment bei der Anbetung. Ernüchternd war die Begegnung mit dem WJT Kreuz, das abgesperrt unter freiem Himmel wie eine touristische Atraktion präsentiert wurde und ich war froh, dass ich in Rom Gelegenheit genug hatte das Kreuz aus der Nähe zu erleben.

Andacht? Fehlanzeige! Hier gabs nur Aufstellung zum Gruppenfoto...

Am Donnerstag war die Kathechese mit Bischof König zum Thema "Verwurzelt". Die Stimmung war bestens und es wurden rege Fragen gestellt.
Die meisten machten sich nach dem Mittag auf, um den Papst zu empfangen, was wegen schon üblicher schlechter Organisation für die meisten ein ziemlich ernüchterndens Erlebnis war. Wir waren unterdessen beim Taizegebet.
Abends war es ziemlich chaotisch in Madrid, da zum einen die Metro gestreikt hatte und zum anderen die Metrostation Sol gesperrt war, da zum 2. Mal dort gegen den WJT protestiert wurde. Aber wir kamen einigermaßen gut nach Hause und gingen mal etwas früher zu Bett. Hallo, schön dass du da bist? Von wegen! In Madrid war der WJT nicht bei allen willkommen.

Heute konnten wir ausschlafen und uns bis zum Kreuzweg heute Abend selbst beschäftigen. Hoffentlich sind die Spanier heute Abend etwas organisierter, sonst erwartetet uns ein chaotischer Kreuzweg.

14August
2011

wo ich von der ganzen Welt gehört werde

Der Tag heute beginnt sehr entspannt mit einem freien Vormittag. Nach einem Tag wie gestern ist das aber auch eine willkommene Abwechslung.

Gestern stand der Tag in Javier auf dem Programm, wo sich alle WJT Teilnehmer aus dem Bistum Pamplona trafen. Da wir in Lodosa fast 2 Stunden von Javier entfernt wohnen, mussten wir uns leider schon vorher entscheiden nicht mit den Pilgerweg zu gehen, der schon am Morgen startete, da unser Busfahrer nich so lange unterwegs sein durfte. Also trafen wir am Vormittag ein und mussten erst einmal eine Stunde lang bis zum eigentlichen Treffpunkt in Javier laufen. Dort trafen wir dann einige Minuten nach dem Messbeginn ein. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch, denn ganz Javier war voller Pilger, die mit viel Freude die Messe feierten.

  gute Stimmung bei der Messe in Javier Unser Mittagessen: die Riesen-Paella
Anschliessend gab es dann das Mittagessen auf einem etwas entfernten Gelände. Als wir dort ankamen durften wir zunächst die reisige Paella bestaunen, die wir dann nach einstündiger Wartezeit in der spanischen Mittagssonne ausgeteilt bekamen.
Vollgefuttert und müde von den Anstrengungen des Tages genossen wir dann unsere Siesta im Schatten der Bäume rund um die Burg von Javier.
Am Nachmittag gab es dann ein Jugendfastival auf dem Platz, bei dem Gruppen aus aller Welt musikalische und unterhaltsame Beiträge vorführten. Die Stimmung war toll und man konnte ein wenig internationale WJT Luft schnuppern.  
Um 18 Uhr wurde das Abendessen gereicht und wir erlebten ein kleine Überraschung, denn ja, es kann auch in Spanien mal REGNEN! doch unter den Bäumen fanden wir etwas Schutz.
Schade war es allerdings, dass wegen des Regens das Gospelkonzert am Abend abgebrochen werden musste, denn die Stimmung war fantastisch. Alle tanzten, klatschten und sagen mit, obwohl es dicke Tropfen vom Himmel regnete.

Da war die Welt noch in Ordnung: beim Gospelkonzert

Nach einer endlosen Fahrt durch die Nacht, tarfen wir um 23.30 Uhr wieder in Lodosa ein und während einige noch bis tief in die Nacht in den Strassen tanzten, ging ich nach diesem anstrengenden Tag schnell ins Bett. 

Ein paar Worte möchte ich noch zum Kreuzweg am Freitag los werden:
Wir nahmen am Kreuzweg in der Nachbargemeinde San Adrian teil. Dort erwartete uns ein traditionelle spanischer Kreuzweg, bei dem das Kreuz von traditionell gekleideten Männern durch die Strassen getragen wird. Das ganze machte zunächst einen etwas befremdlichen Eindruck, sah es doch auf den ersten Blick eher nach einer Einladung nach Hogwarts aus, als nach einem Kreuzweg. Doch mit den bewegenden Gesängen der Frauen und den Gebeten war es dann doch sehr ergreifend. Für einige von uns wurde es dann noch zu einer sehr körperlichen Erfahrung. Die Kreuzträger fragten einige unserer Gruppe, ob wir auch einmal bis zur nächsten Station das Kreuz tragen wollten. Das ganze wiegt über 130kg, die von 6 Personen getragen werden, und das sind einge kg auf den eigenen Schultern. Und das ganze ist gar nicht so einfach, da man schnell aus dem Takt beim Gehen gerät.
Wir können also getrost sagen, dass wir wortwörtlich das Kreuz auf uns genommen haben. Hogwarts? Sensemann? Nein, nur spanischer Kreuzweg ;)

Heute haben wir Mittags noch eine Messe und am Nachmittag werden wir etwas Sport machen. Schwimmen, Rudern oder Fussball stehen zu Wahl und Abends werden wir alle gemeinsam mit den Gästen aus San Adrian hier in Lodosa eine kleine Fiesta auf dem zentralen Platz haben.

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